Zweifelsohne ist ›Krieg und Frieden‹ ein Meilenstein der Weltliteratur. Zunächst war es als Familienchronik geplant, geriet dann jedoch zu einer umfassenden Darstellung der Ereignisse in Russland an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert – Zeitgenossen wie Nachfahren Tolstois waren beeindruckt von seiner Leistung.
Als Student wollte Tolstoi auf seinem Gut das Elend der Bauern mildern, stieß jedoch nur auf Misstrauen und Undankbarkeit. Er floh in die Armee, wo er während des Krimkrieges zu schreiben begann. Ohne seine Frau Sofja Andrejewna gäbe es weder ›Krieg und Frieden‹ noch ›Anna Karenina‹: Sie spornte ihn an und gab ihrem Mann während über zehn Jahren den für seine Arbeit nötigen
inneren Frieden. Der dann plötzlich zerbrach: »Ich war keine 50 Jahre alt, ich liebte, ich wurde geliebt, ich hatte gute Kinder, ein großes Gut, Ruhm, sittliche und körperliche Kraft. Plötzlich stockte mein Leben« – ihm war die Sinnlosigkeit desselben aufgegangen. Tolstoi kleidete sich wie ein Bauer und wurde Prediger und Moralist, seine Ehe zerbrach. Mit 82 Jahren riss er eines Nachts aus und starb nach 10 Tagen in der kleinen Bahnstation Astapowo.