Unerhörte Begebenheiten versammelt dieser Band mit den berühmtesten Erzählungen des Wiener Meisternovellisten. Stefan Zweigs Interesse gilt jedoch vor allem dem inneren Aufruhr seiner Figuren, der Fähigkeit und Unfähigkeit zur Selbsterkenntnis, ihren Neurosen, ihrer Zerrissenheit. So heißt es in ›Verwirrung der Gefühle‹: »Dieses Heiß und Kalte, dieses bald Aufwühlend-Nahe, bald Ärgerlich-Rückstoßende seines Wesens verwirrte vollkommen mein unbändiges Gefühl, das sich sehnte – nein, nie vermochte ich deutlich zu benennen, was ich eigentlich ersehnte, was ich wünschte, forderte, anstrebte …« Mit großer Empathie, aber auch mit gelassener Distanz zeichnet Stefan Zweig das Bild der ›guten‹ Gesellschaft zwischen Konvention und Rebellion in Zeiten der Dekadenz. Wie sein Vorbild Honoré de Balzac erzählt er von der ›comédie humaine‹, der menschlichen Komödie – mit meist tragischem Ausgang.